SVFdeAgelos

Home arrow

Definition arrow

Vorbildliche Sozialunternehmen arrow

Portraits arrow

News arrow

Ressourcen arrow

Forum arrow

Kontakt arrow

Banner_font


Definition:

Bücher:

Die Armut besiegen

“Die Armut besiegen”
von
Muhamad Yunus

DieWeltverändern

“Die Welt verändern”
von
David Bornstein

BankerDerArmen

“Banker der Armen”
von Peter Spiegel -
Muhamad Yunus

Lebensunternehmer

“Unternimm dein Leben: Als Lebens- unternhemer zum Erfolg”
von
Dieter Reitmeyer

< zurück

Bil Gates
bill-gates


Sehr geehrter Präsident Bok, ehemaliger Präsident Rudenstine, der designierte Präsident Faust, Mitglieder der Harvard Corporation und Aufsichtsrat, Fakultätsmitglieder, Eltern und vor allem Absolventen:

Seit mehr als 30 Jahren warte ich auf den Moment, folgendes aussprechen zu können:
„Papa, ich habe dir schon immer gesagt, ich komme zurück und mache
meinen Abschluss.“

Ich möchte Harvard für die zeitgemäße Ehre danken. Nächstes Jahr werde ich meinen Job wechseln.... und dann werde ich endlich ein Collegediplom in meinen Lebenslauf integrieren können.

Ich schenke allen Absolventen Beifall, dafür, dass sie den direkten Weg, der sie zu ihrem Diplom führte, eingeschlagen haben. Was mich betrifft, mir genügt es, dass Crimson mich “Harvards’ erfolgreichster Studienabbrecher“ nannte. Vermutlich macht mich dies zu einem besonderen Abgänger, denn ich war der Beste beim Versagen..

Aber ich möchte immerhin als derjenige genannt werden, der Steve Palmer zum Abbruch der Business-Schule verhalf.. Ich übe einen schlechten Einfluss aus. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich heute zu Ihrer Abschlussfeier eingeladen wurde. Wenn ich bereits bei Ihrer Aufnahmefeier gesprochen hätte, dann wären heute weniger hier.

Harvard war eine phänomenale Erfahrung für mich. Das akademische Leben war faszinierend. Ich besuchte Kurse, in die ich mich noch nicht einmal eingeschrieben hatte. Das Leben im Studentenwohnheim war genial. Ich wohnte oben in Radcliffe, im Currier House. Meistens saßen noch bis spät am Abend viele Leute bei mir in der Studentenwohnung, und wir diskutierten herum, denn alle wussten, dass ich mir sowieso keine Sorgen darum machte, am nächsten Morgen früh aufzustehen. So kam es, dass ich der Anführer der “asozialen Gruppe“ wurde. Wir hingen ausschließlich miteinander herum, nur um unsere Ablehnung gegenüber all den gesellschaftlichen Leuten zum Ausdruck zu bringen. In Radcliffe zu wohnen war großartig. Dort oben waren Frauen in der Überzahl und die meisten Kerle waren klassische Mathe-Langweiler. Diese Kombination bot mir die besten Chancen, wenn Ihr versteht, was ich meine. Doch hier habe ich auch die traurige Lektion gelernt, dass die besten Chancen nicht zwingend den Erfolg garantieren.

Eine meiner herausragendsten Erinnerungen an die Harvard-Zeit ist, als ich 1975 eine Firma in Albuquerque anrief. Diese Firma produzierte weltweit die ersten PCs. Ich bot ihnen Software zum Verkauf an. Ich machte mir Sorgen, dass sie mich nur als Studenten aus einem Wohnheim betrachten könnten, und sich mit mir nicht abgeben würden. Doch stattdessen sagten sie: „ So weit sind wir momentan noch nicht, rufen sie in einem Monat wieder an.“ Dies kam mir sehr entgegen, denn wir hatten die Software sowieso noch nicht programmiert. Von diesem Moment an, arbeitete ich Tag und Nacht an diesem Projekt, welches zwar später das Ende meiner Collegekarriere darstellte, aber auch der Anfang meiner außergewöhnlichen Reise mit Microsoft war. Doch die größten Erinnerungen, die ich an Harvard habe, sind die unglaublichen Energien und die Intelligenz, von der man umgeben war. Es konnte berauschend, furchterregend, manchmal sogar entmutigend sein, aber dennoch war es zu jeder Zeit eine Herausforderung. Diese Zeit war ein wunderbares Privileg, und obwohl ich Harvard früher verließ, hat mich die dort verbrachte Zeit verändert, nicht zuletzt durch meine Freundschaften dort und durch die Ideen, an denen wir arbeiteten. Aber wenn ich ernsthaft zurückblicke, dann sehe ich etwas, dass ich bedaure: Ich verließ Harvard, ohne das Bewusstsein über die schreckliche Ungerechtigkeit in der Welt- die entsetzlichen Missverhältnisse von Reichtum und Gesundheit und die vielen Fälle, in denen Menschen dazu verdammt werden, in Verzweiflung und Armut zu leben. Hier in Harvard lernte ich viel über neue Wirtschaftsideen und Politik. Ich lernte viel über Fortschritte und wissenschaftliche Entdeckungen. Aber der große Fortschritt für die Menschheit liegt nicht in diesen Entdeckungen, sondern darin, wie diese Entdeckungen angewandt werden, um Ungerechtigkeit zu verringern. Ich verließ den Campus und wusste kaum etwas darüber, dass es in unserem Land Millionen junger Menschen gibt, die man um ihre Bildung bringt. Auch wusste ich nichts über die Millionen Menschen, die in unbeschreiblicher Armut und Krankheit in Entwicklungsländern leben. Ich brauchte Jahrzehnte, um alles darüber zu erfahren. Ihr Absolventen seid jedoch zu einer anderen Zeit nach Harvard gekommen. Ihr wisst mittlerweile mehr über die Ungerechtigkeiten der Welt, als die Klassen, die vor euch kamen. Ich hoffe, Sie hatten in den Jahren hier, insbesondere im Zeitalter der sich schnell entwickelnden Technologie die Chance, sich mit der Lösung zur Bekämpfung der Ungerechtigkeit auseinander zusetzen.

Stellen Sie sich vor, sie hätten ein paar Stunden pro Woche und ein paar Dollar im Monat übrig- und Sie möchten diese Zeit und dieses Geld für eine Sache spenden, die die größtmögliche Wirkung auf das Verbessern, bzw. das Retten von Menschenleben hat. Wofür würden Sie es spenden? Melinda und ich stehen vor der gleichen Herausforderung: Wie können wir unsere Ressourcen am sinnvollsten einsetzen, so dass das Beste daraus resultiert? Während wir noch darüber diskutierten, fanden wir einen Artikel, der darüber berichtete, wie Millionen Kinder aus Entwicklungsländern jedes Jahr an Krankheiten sterben, die wir hier schon seit langer Zeit als harmlos betrachten: Pocken, Malaria, Lungenentzündung, Hepatitis B, Gelbfieber. Darunter gab es eine Krankheit, von der ich zuvor nie gehört hatte- Rotavirus. Daran sterben jährlich eine halbe Million Kinder- aber kein Kind davon kommt aus den Vereinigten Staaten.

Wir waren schockiert. Wir gingen davon aus, dass die Welt es sich zur Priorität mache, diese Kinder, deren Leben eigentlich gerettet werden könnte, mit entsprechenden Medikamenten zu versorgen. Doch so war es nicht. Für weniger als einen Dollar, gäbe es lebensrettende Medikamente, die jedoch einfach nicht dort verteilt werden.

Wenn man der Überzeugung ist, dass jedes Menschenleben den gleichen Wert hat, dann ist es abscheulich festzustellen, dass manche Menschenleben als ausreichend wertvoll betrachtet werden, um sie zu retten, und andere wiederum nicht. Wir sagten uns: “Dies kann nicht der Wahrheit entsprechen. Doch wenn es der Wahrheit entspricht, dann wird es zu unserer ersten Priorität, gerade hier zu geben.“ Also begannen wir mit unserer Arbeit genau so, wie es viele andere hier tun würden. Wir fragten:“Wie kann die Welt diese Kinder sterben lassen?“ Die Antwort ist einfach und bitter. Die Marktwirtschaft gewinnt nichts an lebensrettenden Maßnahmen für diese Kinder und die Regierung subventioniert diese nicht. Also sterben diese Kinder, da ihre Eltern in der Marktwirtschaft keine Rolle spielen und kein Mitspracherecht in diesem System haben. Aber Sie und ich, wir haben es. Wir können die marktwirtschaftlichen Kräfte lenken, wir können eine kreativere Form des Kapitalismus entwickeln, so dass Armut berücksichtigt wird. Wenn wir die Reichweite des Marktes soweit ausdehnen könnten, dass mehr Menschen davon profitieren, oder zumindest ihren Lebensunterhalt davon bestreiten könnten, dann könnte der Markt auch Menschen dienen, die unter den schlimmsten Ungerechtigkeiten leiden. Wir könnten ebenso Druck auf die Regierungen ausüben, damit Steuergelder so eingesetzt werden, damit sie die Werte und Vorstellungen der Steuerzahler mehr reflektieren. Wenn wir Wege finden, in denen Umsätze von Unternehmen generiert werden, welche für die Bedürfnisse der Armen eingesetzt werden – wenn wir für Politiker stimmen, die sich für die Bewältigung von Armut einsetzen, dann haben wir einen nachhaltigen Weg gefunden, die Ungerechtigkeit dieser Welt zu verringern. Diese Aufgabe wird kein Ende haben. Sie wird niemals komplett vollendet sein. Aber ein bewusstes Bestreben diese Herausforderung zu bewältigen, wird die Welt verändern. Ich bin optimistisch und weiß, dass wir das schaffen, aber ich spreche auch zu Skeptikern, die behaupten, dass es keine Hoffnung gäbe. Sie sagen:“Ungerechtigkeit hat es schon zu Anfang der Welt gegeben und wird es bis zum Ende geben – denn... die Menschen .... haben einfach kein Mitgefühl.“

Hier bin ich komplett anderer Meinung. Ich bin überzeugt, dass wir mehr Mitgefühl haben, als wir tatsächlich zeigen. Alle von uns, hier auf diesem Campus, haben immer wieder menschliche Tragödien gesehen, die uns das Herz gebrochen haben – und dennoch taten wir nichts, nicht weil wir kein Mitgefühl hatten, sondern nur weil wir nicht wussten, wie wir hätten helfen können. Hätten wir gewusst, was zu tun wäre, dann hätten wir geholfen. Die Hürde der Veränderung ist nicht das mangelnde Mitgefühl, sondern die große Komplexität. Um Mitgefühl in Taten umsetzen zu können, müssen wir das Problem erkennen, eine Lösung finden und uns die Auswirkung vor Augen führen. Aber die Komplexität blockiert diese drei Schritte. Selbst mit dem Beginn des Internets und der 24-Stunden-Nachrichten, ist es nach wie vor ein kompliziertes Unterfangen, Menschen auf die Probleme der Welt wahrhaftig aufmerksam zu machen. Wenn Flugzeuge abstürzen, dann werden von Behörden umgehend Pressekonferenzen einberufen. Man verspricht, den Fall zu untersuchen, die Ursache zu ermitteln und vorbeugende Maßnahmen zu entwickeln,

Aber wenn die Behörden die brutale Wahrheit aussprechen würden, dann würden sie nämlich damit sagen:“Von all den Menschen, die am heutigen Tag an Ursachen gestorben sind, die hätten verhindert werden können, war nur ein halbes Prozent dieser Menschen in dem abgestürzten Flugzeug. Wir setzen alles daran, dass Problem, dass diesem halben Prozent der Menschen das Leben gekostet hat, zu lösen.“

Das größere Problem ist nicht der Flugzeugabsturz, sondern die Millionen Todesfälle, die hätten verhindert werden können. Wir lesen nicht besonders viel über diese Todesfälle. Die Medien decken alle Neuigkeiten und Nachrichten ab – aber das Millionen von Menschen sterben ist nun mal nichts Neues. Also bleibt diese Tatsache im Hintergrund, dort wo sie leichter zu ignorieren ist. Aber selbst wenn wir davon lesen oder sehen, fällt es uns schwer, das Augenmerk auf diesem Problem zu halten. Es ist schwierig, sich solches Leid anzuschauen, wenn die Situation so komplex ist und wir nicht wissen, wie wir helfen könnten. Also schauen wir weg. Wenn wir wirklich das Problem sähen, was schon den ersten Schritt darstellen würde, dann nähmen wir auch den zweiten Schritt: sich durch die Komplexität durcharbeiten, um eine Lösung zu finden. Das Finden von Lösungen ist essentiell, wenn wir das Beste aus unserem Mitgefühl raus holen wollen. Wenn wir auf die Fragen:“Wie kann ich helfen?“ klare und nachweisbare Antworten geben können, dann können wir auch Reaktionen erwarten – und wir können sicherstellen, dass kein Mitgefühl dieser Welt ins Leere läuft. Aber die Komplexität erschwert denjenigen, die helfen wollen, den Weg zum Handeln. Sich durch die Komplexität zu arbeiten, um eine Lösung zu finden führt durch vier vorhersehbaren Stadien:

  • ein Ziel festlegen
  • eine Vorgehensweise finden, die die größtmögliche Wirkung erzielt
  • die ideale Verfahrenstechnik und Technologie für die Vorgehensweise finden
  • parallel dazu unsere bereits existierenden (Hilfs-)mittel geschickt zum Einsatz bringen

Die Aids-Epidemie liefert uns hier ein Beispiel: Das weitreichende Ziel ist selbstverständlich der Krankheit ein Ende zu setzen. Die Vorgehensweise mit der größtmöglichen Wirkung ist die Prävention. Die ideale Verfahrenstechnik/ Technologie wäre eine einmalige Impfung, die lebenslange Immunität bietet. Somit finanzieren Regierungen, Pharmaunternehmen und Stiftungen die Forschung für eine entsprechende Impfung. Doch deren Arbeit nimmt voraussichtlich mehrere Jahrzehnte in Anspruch, also sollten wir parallel dazu unsere bereits bestehenden (Hilfs-) mittel geschickt zum Einsatz bringen – und die beste Vorgehensweise zur Prävention die wir haben, ist es Menschen dazu zu bringen, sich zu schützen.

Diese vier Schritte laufen immer gleichermaßen ab. Dies ist das Muster. Der entscheidende Punkt ist, dass man nie aufhört, sich damit auseinander zusetzen und daran zu arbeiten. - und das wir niemals das tun, was wir mit der Malaria- u. Tuberkulose Problematik im 20. Jahrhundert getan haben – nämlich kapitulieren.

Der letzte Schritt, nachdem wir das Problem erkannt und eine Vorgehensweise gefunden haben, ist das Bemessen der Wirkung unserer Arbeit. Anschließend müssen wir unsere Erfolge, oder auch Niederlagen anderen mitteilen, so dass sie von unserer Arbeit lernen können. Hierfür brauchen wir selbstverständlich Statistiken. Wir müssen zeigen, dass durch unsere Vorgehensweise weitaus mehr Kinder geimpft werden können. Wir müssen zeigen, dass sich die Anzahl der an Aids sterbenden Kinder reduziert. Dies ist essentiell, nicht nur um unsere Vorgehensweise weiterhin verbessern zu können, sondern auch um mehr finanzielle Mittel von Unternehmen und Regierungen zu erhalten. Aber wenn wir Menschen zum Teilhaben bewegen wollen, müssen wir mehr als nur Zahlen vorweisen, wir müssen ihnen die humanitäre Bedeutung vermitteln – so dass Menschen verstehen, was es bedeutet ein Leben zu retten, insbesondere was es den betroffenen Familien bedeutet. Ich erinnere mich daran, als ich vor einigen Jahren Teil eines Ausschusses in Davos war, der darüber diskutierte, wie Millionen von Menschenleben gerettet werden können. Millionen! Denken Sie über den Nervenkitzel nach, wenn man nur ein Menschenleben retten kann – dann multiplizieren Sie es mit Millionen. Dennoch, dies war einer der langweiligsten Ausschüsse, die ich je besucht habe. Er war so langweilig, dass ich es kaum ertragen konnte. Was diese Erfahrung besonders markant machte war, dass ich kurz zuvor von einer Veranstaltung zurückkehrte, auf der Version 13 einer Software vorgestellt wurde. Die Leute dort sprangen und riefen aufgeregt herum und diskutierten wild. Ich liebe es, wenn Leute sich für Software so sehr begeistern können – aber warum können wir nicht weitaus mehr Begeisterung aufbringen, wenn es darum geht Menschenleben zu retten? Wir können erst dann Menschen begeistern, wenn wir ihnen eindringlich die Bedeutung der Hilfe vor Augen führen. Und wie man das macht? - das ist eine komplexe Frage.

Doch noch immer bin ich optimistisch. Ja, Ungerechtigkeit gab es schon immer auf der Welt, aber die Werkzeuge, die die Ungerechtigkeit zerschlagen könnte, die hatten wir nicht immer. Sie sind neu – sie können uns dabei helfen, dass Taten auf unser Mitgefühl folgen – und darum kann die Zukunft anders als die Vergangenheit aussehen. Die herausragenden und anhaltenden Innovationen unseres Zeitalters – Biotechnologie, Computer, Internet - geben uns Chancen, die wir zuvor nie hatten. Chancen, um extreme Armut und Todesfälle auf Grund vermeidbarer Krankheiten zu beenden.

Vor 60 Jahren eröffnete George Marshall seine Ankündigung eines Plans, zur Unterstützung der europäischen Nachkriegsstaaten mit folgenden Worten: „ Eine der Schwierigkeiten liegt meiner Ansicht nach darin, dass dieses Problem so ungeheuer komplex ist, dass die große Menge an Informationen, die der Öffentlichkeit durch Presse und Rundfunk geboten wird, dem einfachen Bürger eine klare Beurteilung der Situation sehr schwierig macht. Es ist nahezu unmöglich, aus einer solchen Distanz die wirkliche Signifikanz der Situation zu verstehen.“

Dreißig Jahre nachdem Marshall diese Ansprache hielt, und zu diesem Zeitpunkt meine Kommilitonen gerade graduierten, zeichnete sich ab, dass die Technologie die Welt kleiner, offener und transparenter machen würde. Das Aufkommen von erschwinglichen Computern ließ ein kraftvolles Netzwerk entstehen, welches die Möglichkeiten des Lernens und der Kommunikation verändert hat. Das magische an diesem Netzwerk ist nicht nur das Überwinden von Distanzen, so dass es alle Menschen der Welt zu deinen Nachbarn machen kann, es erhöht auch dramatisch die Möglichkeiten mit einer großen Anzahl brillanter Köpfe an den gleichen Problemen arbeiten zu können. Das wiederum erhöht die Anzahl von Innovationen in einem atemberaubenden Ausmaß. 

Gleichzeitig jedoch hat jede 5. Person der Welt keinen Zugang zu dieser Technologie, dies bedeutet, dass viele kreative Geister von der Diskussion ausgeschlossen bleiben – kluge Menschen mit praktischer Intelligenz und wichtiger Erfahrung, die jedoch nicht über die Technologie verfügen, um ihre Talente und ihre Ideen in die Welt einzubringen. Doch brauchen wir so viele Menschen wie möglich, die einen Zugang zu dieser Technologie haben, da die Vorteile dieser Technologie eine humanitäre Revolution auslösen. Diese technologischen Vorteile ermöglichen nicht nur Regierungen, sondern auch Universitäten, Unternehmen, kleineren Organisationen und sogar einzelnen Individuen Probleme zu erkennen, Vorgehensweisen zu finden und den Effekt ihrer  Bemühungen hinsichtlich der Bekämpfung der Armut, des Hungers und der Verzweiflung, über die George Marshall vor 60 Jahren sprach, zu bemessen.

Mitglieder der Harvard Familie: Hier auf diesem Campus befindet sich eine Auswahl von großen intellektuellen Talenten. Wofür? Es besteht kein Zweifel, dass die Fakultät, die Alumni, die Studenten und die Stifter von Harvard ihre Kraft bereits eingesetzt haben, um das Leben vieler Menschen hier und anderswo zu verbessern. Aber können wir nicht mehr tun? Kann Harvard seinen Intellekt nicht dahingehend aufwenden, um das Leben vieler Menschen zu verbessern, die niemals den Namen Harvard zuvor gehört haben oder hören werden? Lassen Sie mich bei den Dekanen und Professoren – den intellektuellen Anführern hier in Harvard- nachfragen: Während sie neue Lehrkräfte anwerben, Lehrstühle vergeben, Lebensläufe prüfen und Zugangsanforderungen festlegen, fragen Sie sich bitte auch: Sollten sich unsere klügsten Köpfe nicht der Lösung unserer größten Probleme widmen? Sollten Harvards Fakultäten sich nicht den größten Ungerechtigkeiten der Welt annehmen? Sollten Harvards' Studenten nicht über die Tiefe der globalen Armut unterrichtet werden . ... über das Ausmaß des weltweiten Hungers...über den Mangel an sauberem Wasser..... über Mädchen, denen Schulbildung verweigert wird.... Kinder, die an heilbaren Krankheiten sterben? Sollten nicht die hoch privilegierten Menschen dieser Welt über das Leben der am wenigsten privilegierten Menschen unterrichtet werden? Dies sind keine rhetorischen Fragen – Sie werden sie durch ihr Handeln beantworten. Meine Mutter, die mit Stolz erfüllt war, als ich hier zugelassen wurde, hörte niemals auf, mich anzuhalten, mehr für Andere zu tun. Ein paar Tage vor meiner Hochzeit, veranstaltete meine Mutter eine kleine Feier, auf der sie einen Brief über die Ehe, den sie an Melinda geschrieben hatte, laut vorlas. Zu diesem Zeitpunkt war meine Mutter schwer an Krebs erkrankt und sah nochmals eine Möglichkeit, ihre Botschaft weiterzugeben. Der Brief endete mit den Worten: Von jenen, denen man viel gegeben hat, wird viel erwartet. Wenn man bedenkt, wie vielen hier auf diesem Campus gegeben wurde – an Talent, an Privilegien und an Möglichkeiten – dann hat die Welt alle Rechte, nahezu grenzenlos von Ihnen zu erwarten. Entsprechend unserem verheißungsvollen Zeitalters, will ich alle Absolventen dazu ermahnen sich einer wichtigen Angelegenheit anzunehmen – einem komplexen Problem, einer tiefen Ungerechtigkeit- und werden Sie Spezialisten in dieser Angelegenheit. Wenn Sie diese Angelegenheit zum Mittelpunkt Ihrer Karriere machen könnten, wäre es phänomenal. Es reicht auch aus, wenn Sie ein paar Stunden in der Woche die wachsende Kraft des Internets nutzen, um sich zu informieren, um andere mit den gleichen Interessen zu finden, die Hürden zu erkennen und Wege finden, sie zu durchbrechen. Lassen Sie sich nicht von der Komplexität aufhalten. Werden Sie zu Aktivisten. Nehmen Sie sich des Problems der Ungerechtigkeit an. Dies wird eine der größten Erfahrungen Ihres Lebens.

Ihr Absolventen befindet Euch in einem erstaunlichen Zeitalter. Ihr verlasst Harvard mit einer Technologie, die Absolventen meines Jahrgangs damals nicht hatten. Ihr seid Euch der Ungerechtigkeit dieser Welt bewusst, dieses Bewusstsein hatten wir damals nicht. Und mit diesem Bewusstsein habt Ihr wahrscheinlich ein in Kenntnis gesetztes Gewissen, das Euch quälen wird, wenn Ihr die Menschen, dessen Leben Ihr mit wenig Mühe retten könntet, verbannt. Ihr habt mehr als wir hatten; Ihr müsst früher anfangen und länger weitermachen. Mit dem Wissen, das Ihr habt, wie könntet Ihr nicht? Und ich hoffe Ihr kommt in 30 Jahren hierher zurück und reflektiert das, was Ihr aus Eurem Talent und Eurer Energie gemacht habt. Ich hoffe Ihr beurteilt Euch nicht nur nach Euren Leistungen, sondern auch danach wie sehr Ihr Euch den Ungerechtigkeiten der Welt gewidmet habt.... danach, wie gut Ihr Menschen behandelt habt, selbst die, die unendlich weit entfernt sind und nichts mit Euch gemeinsam haben außer das Mensch sein.

Viel Glück.

 © Agelos Foundation gGmbH

Kontakt

Impressum

Rechtlicher Hinweis